Baumwollfeld

Nachhaltige Mode – Organic Cotton, Fair Trade uvm.

Wie ich euch ja bereits im Artikel „Aus Alt mach Neu“ berichtet finde ich Bio oder Fair Trade Mode total wichtig und unverzichtbar für die Zukunft. Ich habe euch zu diesem Thema bereits über Freitag und Zirkeltraining berichtet, die aus Lkw Plane und alten Turnmatten verschiedenste Taschen recyceln. Und zwar richtig schicke, designte und qualitativ hochwertige Produkte. Vor kurzem lief eine Dokumentation als Test von h&m im Fernsehen, wo auch Materialien und Arbeitsbedingungen angesprochen wurde. Das nehme ich zum Anlass mal ein bisschen zu recherchieren, welche Voraussetzungen es gibt, damit Bio wirklich Bio ist und welche Siegel geläufig sind und was diese bedeuten.

Wann sind Klamotten nachhaltig?

Schon beim Suchen fiel mir auf, dass zum Zertifizieren von nachhaltiger Mode extrem viele Einflüsse berücksichtigt werden müssen. So ist es zum einen notwendig, dass die Baumwolle aus ökologischem Anbau stammt und wenig Trinkwasser und wenig Chemikalien genutzt wurden. Zum anderen aber genauso die angemessene Bezahlung und die Arbeitsbedingungen der Bauern, die diese produzieren. Ebenso kann man bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle und der Herstellung der Endprodukte weitermachen. Auch hier sollen keine Pestizide, schädliche Bleichstoffe oder andere Chemikalien eingesetzt werden und die faire Behandlung der Weber, Näher und anderer Arbeiter gewährleistet werden. Daraus resultieren zwei Probleme: Erstens ist es Auslegungssache wann beispielsweise ökologischer Anbau bei Baumwolle auch ökologisch ist, oder was genau fair bei fairen Arbeitsbedingungen bei Nähern bedeutet. Daher braucht man Standards um das einheitlich fest zu legen. Daraus ergibt sich dann allerdings das zweite Problem, nämlich diese einheitlichen Standards irgendwie festzulegen und messbar zu machen. Das passiert über Zertifizierungen und Siegel. Natürlich gibt es nicht ein Siegel, das alles abdeckt. Leider! Stattdessen viele verschiedene, mit unterschiedlichen Anforderungen und Standards. Wann es sich um Bio, wann um Fair Trade oder soziale Aspekte werde ich im Folgenden schildern.

Zwei Aspekte – zwei Siegel??

 

Umwelt und Soziales

Trennt man also für die Zertifizierung diese zwei Aspekte um diese gewissenhaft und genau überprüfen zu können??. Dann hätten wir einmal den Aspekt der Herkunft des Rohproduktes, die Bio Baumwolle oder Organic Cotton. Dies beinhaltet also, dass nachhaltiger Angebaut gefördert wird. Das weniger Trinkwasser für die Bewässerung benötigt wird und die Böden weniger mit Chemikalien durch Dünger belastet. Das Problem an Chemikalien wie Insektiziden und Pestiziden ist, dass diese sowohl für die Pflanzen, Böden schädlich und auch die Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Der andere Aspekt, ist dann das Menschliche und Soziale, wie beispielsweise die Arbeitsbedingungen. Eine Bezeichnung dafür wird durch Fair Trade ausgedrückt. Sowohl die Baumwollpflücker als auch die Weber, die Näherinnen oder jeder anderer einbezogene Person soll unter angemessenen Bedingungen arbeiten und fair bezahlt werden. Was angemessen und fair ist muss dann auf den jeweiligen Standort bemessen werden. So sind die meisten Textilverarbeitungsbetriebe in Südostasien. Und gerade von hier hört man von extrem langen Arbeitszeiten und sehr niedrigen Löhnen, auch Kinderarbeit soll keine Seltenheit sein. Angemessen wäre hier, das die Bedingungen unter denen die Menschen arbeiten und leben gewisse Mindeststandards erreichen, die eventuell nicht an europäischen gemessen werden können, aber den Menschen ein gesichertes Leben ermöglicht.

Also zu den Siegeln…

Zahlreiche Siegel und Organisationen, die Nachhaltigkeit oder ökologischen Anbau zertifizieren, gibt es. Um sich bei einem Label sicher zu sein das es nachhaltig, bio und fair ist müsste es Zertifikate von mehreren Siegeln haben oder bei mehreren Organisationen Mitglied. Die wichtigsten mit ihren Auflagen und Schwerpunkten werde ich euch kurz vorstellen:

  • GOTS (Global Organic Textil Standard) ist das führende Siegel für nachhaltige Textilprodukte. Der Slogan Logo GOTS„ökologische und soziale Verantwortung“ verdeutlicht bereits, dass das Siegel beide Nachhaltigkeitsaspekte zu vereinen. Das Siegel stellt hohe Umweltkriterien an den gesamten Entstehungsprozess eines Kleidungsstücks und verlangt ebenfalls Einhaltung sozialer Kriterien. Geprüft wird durch Vor-Ort-Inspektionen und von unabhängigen akkreditiertem Stellen. Alle einzelnen Stationen: die Verarbeiter, Hersteller und Händler müssen so zertifiziert werden.
  • Oeko Tex Standard 100 ist ein weltweit einheitliches Prüf- und Zertifizierungssystem für alle Verarbeitungsstufen  für textile siegel oeko texProdukte. Für die Roh-, Zwischen- und Endprodukte werden die Textilien anhand von Schadstoffprüfung in vier Klassen eingeteilt.
  • Zeichen für fwfDie Fair Wear Foundation setzt sich primär für faire Arbeitsbedingungen in der Herstellung von Kleidung ein. Die zehn Grundsätze der Organisation beinhalten, dass es weder Zwangs- noch Kinderarbeit vorhanden ist, die Bezahlung und die Arbeitsstunden angemessen sind und die Arbeit legal, sicher und gesundheitsförderlich ist. Die Fair Wear Foundation möchte Unternehmen, die bereits soziale Leistungen in ihrem Betrieb etablieren, fördern. Die Glaubwürdigkeit dieser Bemühungen kann durch die Organisation bekräftigt werden. Sie zertifizieren jedoch nicht nur sondern bieten auch lokale Hilfe zur Einführung von Standards an. Wenn ein Unternehmen Mitglied werden möchte, verpflichtet es sich die Standards in der gesamten Lieferkette zu gewährleisten. Dieses wird durch verschiedene Verfahren einmal jährlich geprüft.
  • Das Fair Trade Siegel setzt sich für fairere Löhne für die Produzenten ein, hier geht es nicht um Bioqualität. siegel fair trade
    Die Idee ist Benachteiligung v.a. in der Landwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika durch fairen Handel zu bekämpfen, so dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessert werden. Auch hier gibt es wieder gibt Standards für die das Siegel vergeben wird. Drei Säulen aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem bilden die Grundlage, welche alle erfüllt werden müssen, wenn Produzenten oder Händler mit dem Siegel ausgezeichnet werden wollen. Eine eigene Zertifizierungsgesellschaft prüft für das Fair Trade Siegel regelmäßig die Erfüllung der Voraussetzung und gewährleistet so zum Beispiel Mindestpreise.

 

AHA…

Also ich stelle fest, Nachhaltigkeit ist ziemlich komplex. Und leider kann ich einem T-Shirt immer noch nicht ansehen ob es nun Bio ist oder Fair oder ganz herkömmlich produziert wurde. Die ganzen Siegel hören sich erst mal gut an, aber es ist durchaus fraglich ob wirklich immer alle Faktoren (denn die Produktionsketten sind ja doch sehr umfangreich und komplex) zu 100% überprüft werden können. Die Glaubwürdigkeit sollte man immer kritisch hinter fragen.

Da wir aber alle nicht persönlich überprüfen können woher genau die Bestandteile unserer T-Shirts kommen oder unter welchen Bedingungen sie wirklich produziert wurden, müssen wir uns auf solche Siegel verlassen. Wenn ein Label von sich behauptet nachhaltig zu sein, ist es durchaus sinnvoll zu überprüfen bei welchen Organisationen und Siegeln es Mitglied ist. Meistens ist eine Kombination von mehreren sinnvoll. Unternehmen, die diese Philosophie vertreten tuen das aber meistens eh.

Also ich hoffe ich habe auch ein bisschen Licht in euer Dunkel gebracht! Mir hat diese Recherche doch noch mal verdeutlicht, wie unüberlegt ich teilweise konsumiere und wie aufwendig es aber auch ist, wenn man dieses Verhalten verändern möchte. Eine Menge Informationsarbeit ist vorweg zu leisten um auch wirklich guten Gewissens eine Kaufentscheidung zu treffen.

Hier habe ich noch eine Übersicht für euch, welche Labels diesen Nachhaltigkeitsgedanken vertreten und von mir gerne empfohlen werden.

Euer Manni

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Manni